Der Maler Einar Schleef Ausstellung Eckdaten

Die Ausstellung war mit 11.800 Besuchern ein großer Erfolg. Wir bedanken uns bei allen, die gekommen sind. Diese Website wird weitergeführt und ausgebaut: Längerfristig wird hier u.a. der gesamte Bildernachlass von Einar Schleef zugänglich sein.

 

Biografie Einar Schleef

17.1.
1944

Einar Wilhelm Heinrich Schleef, 2. Sohn des Architekten Wilhelm Schleef und der Näherin Getrud Schleef, geb. Hoffmann.
1948 
Umzug nach Sangerhausen.
1950 
Einschulung.
1958 Eintritt in den Sangerhausener Malzirkel von Wilhelm Schmied.
1959Unglück, fällt aus dem fahrenden Zug, monatelang Krankenhaus Hettstedt (Sterbethema).
1963Erster Text: »Traum«, veröffentlicht in »Republikflucht Waffenstillstand Heimkehr«, 1992.
1963Ausmusterung von Wehrpflicht.
1963 Besteht Aufnahmeprüfung Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
1964 Abitur und Studienbeginn.
1965 Exmatrikulation. Sucht Kontakt zu Heinrich Kilger, Bühnenbilder am Deutschen Theater, leitet die Bühenbildklasse an der Hochschule. Schleef will jetzt Bühnenbild studieren.
1965Beginnt zu fotografieren. Kontakt zum Fotografen Arno Fischer, der in Weißensee lehrt. Arbeit als Anstreicher. Hilfsgrafiker bei »Mosaik«, Verlag Junge Welt (tuscht die Hintergründe).
1966Bühnenbildassistent am Maxim Gorki-Theater. Ab September Kurs in der Charité, um die Sprachschwierigkeiten abzubauen. (In der Konfrontation mit den anderen Patienten kommt ihm zu Bewußtsein, in welchem Maße der Sprachfehler als Krankheit sich des ganzen Menschen bemächtigt und sogar die Gesichter prägt.)
1967Hospitant bei Karl von Appen am Berliner Ensemble. Wiederzulassung zum Studium.
Illustrationsauftrag. Lotte Werkmeister-Biografie (Buchtitel) Henschelverlag. Wiederaufnahme des Studiums. Prager Quadriennale (Bühnenbild), Schleef stellt Fotos aus.
1968
Ausstatter in Eisleben für »Cosi fan tutte«, wegen künstlerischer Unvereinbarkeit abgebrochen. Hospitiert in Magdeburg bei: Jewgeni Schwarz »Der Schatten« und in Berlin bei Proben von Benno Besson und Horst Sagert zu: Der »Drachen« am Deutschen Theater.
1969Im Rahmen des Studiums Inszenierung in Neustrelitz: Abbruch.
1970
Heinrich Kilger stirbt. Schleef lernt Gabriele Gerecke kennen, wichtigste Lebenspartnerin.
1971
Diplom, Teil davon: 40-teiliger Zyklus von Arrangement-Skizzen (Bleistift, Aquarell, Deckfarben zu Carlo Goldoni: Il Campiello. Meisterschüler an der Akademie der Künste bei Karl von Appen (bis 73). Tod des Vaters. 2. Quadriennale Prag. Schleefs Goldoni-Zyklus bekommt den Hauptpreis.
1972 
an der Volksbühne 1. Ausstattung: Tirso de Molina »Don Gil von den grünen Hosen«. Kritikerpreis der Berliner Zeitung. B.K. Tragelehn am BE beginnt mit Proben zu Strittmatters »Katzgraben«. Friedrich Dieckmann (Dramaturg am BE) bringt Schleef ins Spiel. Schleef Bühne und Co.-Regie. Appen, Chef-Ausstatter des BE, schließt den Vertrag. Arrangement-Skizzen. Premiere wird als Provokation verstanden durch distanzierte Spielweise (Haltungstheater). Bühne fast leer.
1972 /
1973

Schleef und Tragelehn inszenieren mit Studenten der Hochschule für Schauspielkunst: 2 Stücke von Heiner Müller: »Korrektur« und »Herakles 5«. Korrektur als »Wortballett«. Erstmals Einsatz eines Chores. Wird aus politischen Gründen abgesetzt.
1973 /
1974

Schleefs 1. eigenes Stück: »Shiloranch und Carlylebank«, später als »Ein Kessel Buntes«, bei der Uraufführung 1983: »Berlin ein Meer des Friedens«.
1974
Zweite Zusammenarbeit mit Tragelehn: Frank Wedekinds »Frühlings Erwachen«.
Bühne nur weißer Rundhorizont. Entfernung des grauen Zwischenvorhanges von Brecht.
Christian Pöppelreiter vom Volkstheater Rostock holt Schleef für die Zauberflöte. Schleef macht Skizzen. Abbruch. Kostüme zeitgenössisch (erstmals Mäntel).
1975
Tragelehn und Schleef August Strindbergs »Fräulein Julie« am BE. Querelen. Uraufführung findet aber statt. Wieder leere Bühne. Das Stück wird als Schock empfunden: Zersungene Texte. Übereinandersprechen. Mit Peter Konwitschny Vorbereitung von Becketts »Kommen und Gehen«. Wird nach Leseproben abgesetzt. Heiner Müllers »Macbeth« durch Tragelehn und Schleef am BE. Schleef will Orchestergraben in ein Meer von Blut verwandeln, in das die Toten abgehen. Die Produktion findet nicht statt. Rostock mit Pöppelreiter im Barocksaal Cosi fan tutte. Schleef will zeitgenössische Kostüme. Armeemäntel. Kein Bühnenbild. Orchester im Rücken der Bühne. Aufgrund eines Parteibeschlusses Suspendierung. »Poesiealbum« Nr. 89. Thomas Brasch. Grafiken von Schleef.
1975

1976

DT mit Wolfgang Heinz: Wassili Schukschin »Der Standpunkt« und »Tüchtige Leute«. Die Zusammenarbeit wird abgebrochen wegen Nichtübereinstimmung. 
1976
Puppentheater Dresden: »Der Fischer und seine Frau«. Statt Puppen Schauspieler. Kinder. Leere, weiß ausgeschlagene Bühne. Nach Premiere sofort abgesetzt. Reise nach Wien, Vorgespräche im Burgtheater: Inszenierung von Wedekinds: »Schloß Wetterstein« mit B.K. Tragelehn. »Dantons Tod« (Regie Ruth Berghaus) am BE. Probleme. Schleef interpretiert das Stück als Totenfeier der Revolution. Teile des Textes sollen von knienden Klageweibern gesprochen werden. Rollen entgegen ihrem Geschlecht. Ende Okt./Anf.Nov. Brief an BE und Kulturminsterium (11 Punkte). Schleef kehrt von Proben in Wien nicht in die DDR zurück. Zerwürfnis mit Tragelehn. Besetzungsschwierigkeiten bei »Wetterstein«. Inszenierung in Wien wird nicht beendet. Verhaftung von Gabriele Gerecke wegen versuchter Republikflucht.
1977
Beginn der Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag. Beginn der Zusammenarbeit mit Hans-Ulrich Müller-Schwefe, der als Lektor einer der engsten Mitarbeiter für Schleef wird. Die Inszenierung von »Totentanz« (Strindberg) in Düsseldorf scheitert.
1978
Schleef beginnt seinen Großroman: Gertrud. Mit »Abschlußfeier« wird die erste Erzählung Schleefs veröffentlicht. Beginnt Studium an der deutschen Film- und Fernsehakademie (bis 1982). Haftentlassung von Gabriele Gerecke. »Republikflucht« Featur im HR, »Die Bande« , Hörspiel im ORF. Beginnt die Telefonzellenbilder.
1980
1. Teil des Romans »Getrud« erscheint.
1981
Fotoband »Zuhause« (Kodak-Fotopreis). Jugendbuchpreis für die Erzählung »Arthur«.
1982
»Die Bande«, 10 Erzählungen bei Suhrkamp.
1983
»Abschlußfeier«, Hörspiel HR. Schleefs Theaterstück »Wezel« erscheint als Buch. Inszenierung des Stückes: »Berlin ein Meer des Friedens« beim Berliner Theatertreffen uraufgeführt.
1984
»Gertrud«, Roman 2. Band. 
1985
Vorbereitung der Inszenierung von »Mütter« (nach Aischylos und Euripides) in Frankfurt/M.
1986
Februar: Premiere »Mütter«. Heftige Ablehnung der Kritik und des Publikums, Schleef wird zum polarisierenden Regisseur des deutschen Gegenwartstheaters. Chor und Individuum in Gegenüberstellung. Stufensteg in Zuschauerraum. Das Buch »Schlangen. Die Geschichte der Stadt Theben« erscheint (60 farbige Zeichnungen). Es erscheint Schleefs Stück: »Die Schauspieler« als Buch (geschrieben 1985). Kritiker-Preis Literatur des Verbandes der deutschen Kritiker. »Tagebuchbilder« von Schleef in Berlin erstmals ausgestellt.
1987
Es erscheint das Stück »Totentrompeten« (SterzDruck 2), Graz. Premiere von »Vor Sonnenaufgang« (Gerhart Hauptmann) in Frankfurt/M. Ausstellung im Rathaus Schöneberg (Berlin): »Familienleben in der Provinz«. Begehbarer Stadtplan von Sangerhausen (2007 im Sangerhauser Gymnasium installiert). Karl-Hofer-Preis der Hochschule der Künste, Berlin.
1988
Inszenierung von »Die Schauspieler« in eigener Regie am Frankfurter Schauspiel.
1989
Alfred-Döblin-Preis für die Erzählung »Zigaretten«. Inszenierung des »Götz von Berlichingen« in Frankfurt/M (im Bockenheimer Depot). Zentraler Spielsteg.
1990
Inszenierung von »Neunzehnhundertachtzehn oder Sklavenkrieg« (Lion Feuchtwanger) in Frankfurt/M. Dort auch »Faust« als letzte Frankfurter Inszenierung (eine Collage aus Bruchstücken von beiden Teilen). Die Rollen nicht solistisch, sondern chorisch besetzt (elf Darsteller des Faust). Reise nach Sangerhausen. Fritz-Kortner-Preis (gemeinsam mit B.K. Tragelehn) der Zeitschrift »Theater heute«.
1991
in Bochum das Heine-Projekt »Trümmer« (chorisch vorgetragene Gedichte, rhythmisches Stampfen, Tanzen), Premiere wird abgesagt.
1992
Akademie der Künste zu Berlin zeigt die Ausstellung: »Republikflucht. Waffenstillstand. Heimkehr« an drei Orten (Gesamtschaffen). Bildfolgen: Klage (Telefonzellenbilder), Tagebuch und Deutschland.
1993
Uraufführung von »Wessis in Weimar« (Rolf Hochhuth) am BE nach endlosen Querelen mit dem Autor und seinen Anwälten. Das Stück wird dennoch zur erfolgreichsten Inszenierung der Spielzeit. Proben zu »Faust« am Berliner Schiller Theater, das dann geschlossen wird. Teile der Inszenierung werden auf dem Platz vor dem Theater gespielt (als polizeilich genehmigte Freilichtveranstaltung). Tod der Mutter in Sangerhausen.
1994
Scheitern des Projektes »Parsifal« in Nürnberg. Schleef beginnt seinen Großessay »Droge. Faust. Parsifal« zu schreiben. Er rezitiert auf dem Turm der Barfüßerkirche in Erfurt »Ecce Homo« von Friedrich Nietzsche im Zusammenhang mit einem Prometheus-Projekt.
1995
Mühlheimer Dramatiker-Preis für  »Totentrompeten« (bestes Stück des Jahres der Zeitschrift »Theater heute«). Uraufführung des Stückes »Wezel« in Nordhausen. Tod Heiner Müllers.
1996
Schleef inszeniert »Herr Puntila und sein Knecht Matti«, spielt den Puntila selbst. Die Inszenierung gehört zu den Theaterereignissen des Jahres. Da Schleef bei weiteren Aufführungen fehlt, wird ihm gekündigt.
1997
»Drei Alte tanzen Tango« (Fortsetzung von »Totentrompeten« in Schwerin uraufgeführt. Es erscheint der Essay: »Droge. Faust. Parsifal«. Premiere der Inszenierung von »Salome« (O. Wilde) am Düsseldorfer Schauspielhaus. Wieder extrem geteilte Reaktionen. Hans-Jürgen Syberberg zeigt auf der »documenta« Kassel Schleefs Faust-Inszenierung als Video in einer »Höhle der Erinnerung«.
1998
Uraufführung des »Sportstücks« von Elfride Jelinek am Wiener Burgtheater. Schleefs größter Triumph als Regisseur (43 Minuten Applaus). Bremer Literaturpreis für »Droge. Faust. Parsifal«. 3sat-Innovationspreis für die zum Theatertreffen in Berlin eingeladenen Inszenierungen von »Salome« und »Sportstück«. Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien für die beste Inszenierung der Spielzeit 1997/98.
1999
»Wilder Sommer« (nach Goldoni) im Burgtheater Wien. Simultanbühne. Schleef bringt am Akademie-Theater Wien das Stück von Ulla Berkewicz »Der Golem in Bayreuth« als Uraufführung heraus. Schleef hält an fünf Abenden im Rahmen der Frankfurter Poetik-Vorlesungen eine Vortragsreihe unter dem Titel »Deutscher Monolog«. Gastprofessur als Leiter der Bühnenbildklasse an der Hochschule der Künste in Berlin.
2000
Vorbereitung der Inszenierung von »Verratenes Volk« am Deutschen Theater. Uraufführung Mai. Darin Schleefs spektakuläre Rezitation von Nietzsches »Ecce Homo«. Zugleich Schleefs letzte Inszenierung überhaupt. Erstveröffentlichung des Stückes »Nietzsche-Trilogie« von Schleef in »Theater heute«. Schleef gastiert mit »Ecce Homo« am Hamburger Thalia-Theater. Vorbereitungen zur Uraufführung von Elfriede Jelineks Stück »Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes« (kommt nicht mehr zustande). Schleefs Stück »Deutsche Sprache schwere Sprache« wird in Schwerin uraufgeführt.
2001
Herzattacke. Schleef übergibt Hans-Ulrich Müller-Schwefe fünf Disketten mit seinem Tagebuch-Projekt (1953–81). Es ist als Schleefs Vermächtnis zu betrachten, zugleich aber auch ein literarisches Projekt von beispielloser Eindringlichkeit und Evidenz.
Einar Schleef stirbt am 21.07. an Herzversagen.
  

Nachleben Einar Schleef

2002
Hannover, Kestner Gesellschaft: Einar Schleef – Schwarz Rot Gold / Glaube Liebe Hoffnung. Eine Ausstellung zum gesamten Werk. In der Stiftung Neuhardenberg wird anschließend eine Ausstellung unter dem Titel »Einar Schleef. Deutsche Szenen« gezeigt mit einer filmischen Hommage von Hans-Jürgen Syberberg.
2003
Gründung des Sangerhäuser Schleef-Zentrums mit dem Einar Schleef-Arbeitskreis. Daueraustellung.
2004
Übergabe des bildnerischen Nachlasses von Einar Schleef an die Stiftung Moritzburg durch die Erben Gabriele Gerecke und Hans-Ulrich Müller-Schwefe. Erste Ausstellung aus dem Nachlaß in der Moritzburg.
2006
»Kontaktbögen«. Einar Schleef. Fotografie 1965–2001, eine Ausstellung der Akademie der Künste zu Berlin.
2006
– 
2008

Beginn der wissenschaftlichen Bearbeitung des bildnerischen Nachlasses. Präsentation des bildnerischen Nachlasses in einer umfassenden Ausstellung durch die Stiftung Moritzburg in Halle. Katalog Teil 1 zur Ausstellung.
2009
Werkverzeichnis des Nachlasses als Teil 2 des Kataloges und Schaffung einer Internet-Präsentation.




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